Kolumne Bis die «Beachgabel» glüht

Golfsuisse 04-13

Bis die «Beachgabel» glüht

Frau Muggli meint, sie kenne das. Ende der 70er sei sie auch immer schier übergeschnappt, wenn eine ihrer Freundinnen über ihren schönen Parkettboden gestögelet sei. Wegen der hässlichen Abdrücke, die den Boden zur Sau gemacht und den Vermieter zur Weissglut getrieben hätten. Damals habe man zwar noch nicht bei Louboutin, Jimmy Choo oder Manolo Blahnik eingekauft, sondern beim Ochsner – aber die spitzen Absätze der Stögis seien gemeingefährlich gewesen. Anyway, Frau Muggli meint also, dass die Grüns auf den Golfplätzen immer häufiger aussehen wie ihr Parkettboden damals an der Titlisstrasse (nein, nicht Titleiststrasse) in Zürich. Dass das Ausbesserungsbedürfnis von Pitchmarken noch nie sonderlich gross war, ist bekannt. Menschen, die einerseits ihren Garten mit der Nagelschere pflegen und nach dem Autowaschen auch noch den Schlauch waschen (!), kümmern sich oftmals nicht einen Deut um die Qualität des Golfplatzes. Lieber verlieren sie das Matchplay, weil ihnen die Putts am Loch vorbeiholpern, als dass sie sich kurz bücken würden, um ihre Spuren zu beseitigen.

Jetzt nehmen wir mal an, einer ist 89, leidet unter dem grauen Star und in der Hüfte und in den Knien quietscht’s auch. Ja, klar, dann müssen sich halt die Kollegen aufs Grün legen und mit der Pitchgabel rumstochern. Aber unter uns gesagt ist die Chance, dass in dieser Kategorie überhaupt Pitchmarken entstehen, ja dann doch auch eher minim. Es liegt  nun mal in der Natur der Sache, dass nur Bälle, die aus einer gewissen Höhe oder mit einem gewissen Tempo, allenfalls sogar mit Backspin, auf dem Rasen aufschlagen, Löcher hinterlassen. Und wer seine Pitchmarke nicht ausbessert, ganz egal ob er im Glücksrausch ist (weil er das Grün getroffen hat) oder vergesslich (und gar nicht mehr weiss, dass er es getroffen hat), muss eins hinter die Löffel kriegen.

In Sagogn oben halten wir das so, dass, wer gegen diese elementare Regel verstösst, unmissverständlich in den Senkel gestellt und im Wiederholungsfalle nach Hause geschickt wird. Der Ruf eines Golfplatzes steht und fällt nun mal mit der Qualität der Fairways und der Grüns. Wer sein Divot nicht zurücklegt, ist ein ignoranter Schädling – und wer seine Pitchmarke nicht ausgabelt, ein schädlicher Ignorant. Und von beiden scheint es immer mehr zu geben. Im Verlauf dieser Saison habe ich bereits auf x Plätzen Grüns gesehen, die mit Dellen übersät waren wie die Kühlerhaube eines tiefergelegten und verbreiterten SEAT Ibiza aus Werdenberg nach dem schweren Hagelschlag vom 12. April.  Nun könnte man meinen, dass das an den bösen Greenfee-Spielern liegt, die gleichgültig über die Plätze söckeln. Weit gefehlt: Auch auf den exklusivsten und teuersten Privatplätzen des Landes grassiert die Seuche. Die Clubverantwortlichen stehen vor einem Rätsel und können es kaum fassen, dass die Golfenden dermassen unsensibel mit den kostbaren Spielwiesen umgehen. An Frau Muggli allerdings kann es nicht liegen: Sie bessert das Grün aus, bis die «Beachgabel»  glüht. Selbst nach ihrem Lieblingsschlag, dem «Bömp änd Rön» mit dem Eisen 9.


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